Friedberg/Bad Nauheim (jw). Die Fans bangen um den Fortbestand ihres Festivals, ein Museum ist nicht in Sicht, der Capri Club ist marode, die Nachbarstädte wollen nicht kooperieren - die Erinnerungsarbeit in Sachen Elvis Presley gleicht einer offenen Baustelle, wo der Maurer nicht weiß, was der Elektriker gerade macht. Das »9 th European Elvis Festival 2010« vom 12. bis 16. August liegt ein paar Tage zurück, die WZ hat sich umgehört, wie es weitergehen soll.
Der doppelte Elvis: Friedberg und Bad Nauheim werden sich nicht einig, wenn es um den »King of Rock’n’Roll« geht. Dabei gilt in beiden Städten: Geld für Festivals und Museen ist eigentlich keines da. (Foto: WZ-Archiv)
Für Diskussionsstoff dürften die Pläne der Stadt sorgen, das Festival künftig nur noch im zweijährigen Rhythmus zu veranstalten. Im Zuge der Haushaltsberatungen soll dies entschieden werden, wie Bad Nauheims Bürgermeister Bernd Witzel sagt. Ob die Stadt Friedberg und der Elvis-Presley-Verein künftig wieder mit im Boot sind, ist eher unwahrscheinlich. Friedbergs Bürgermeister Michael Keller hängt ohnehin »nicht an der Festival-Idee«.
Noch liegen in Bad Nauheim keine Zahlen über Einnahmen und Besucher vor, für Bürgermeister Witzel war das Festival aber »ein voller Erfolg«: Mehr Zuschauer als erwartet, ein »tolles Programm« und »das Ambiente in der Trinkkuranlage kam bei den Fans sehr gut an«. 15 000 Euro hat die Stadt in das Festival investiert. Obwohl noch nicht alle Rechnungen vorliegen, werde man mit diesem Betrag auskommen, glaubt Witzel. Doch die Stadt muss sparen. Daher der Plan, Elvis- und Jugendstilfestival künftig im jährlichen Wechsel zu veranstalten. Dann allerdings, wie Witzel betont, mit stärkerer ehrenamtlicher Beteiligung, um die Kosten zu drosseln. »Kultur ist ein wichtiger weicher Standortfaktor, unser Kulturangebot kann sich sehen lassen«, sagt Witzel. Aber die Sparzwänge dürften nicht vergessen werden.
Wie das ehrenamtliche Engagement, das der Bürgermeister fordert, aussieht, dürfte spannend werden. Denn auf den Vorstand des Elvis-Presley-Vereins (EPV) ist Witzel nicht gut zu sprechen. »Man sucht nicht das Miteinander, sondern provoziert das Gegeneinander«, sagt Witzel und nennt die »Gegenveranstaltungen« des EPV in Friedberg und Florstadt. Außerdem müsse das Niveau des Festivals beibehalten werden. »Wir haben keine Lust auf ein Festival im Stil dieser Leute.«
Eine Rettung für den Capri Club?
Bei den Veranstaltungen des EPV im Friedberger Burghof herrschte zeitweise gähnende Leere, der Regen vertrieb die letzten Fans. Veranstaltungen wie das »Elvis-Weekend« müsse man jedes Jahr neu erfinden, um Fans anzulocken, meint Friedbergs Bürgermeister Keller. Ohnehin ist der Capri Club in der Kaserne der Elvis-Anlaufpunkt in Friedberg schlechthin. Doch der gehört der Bundesrepublik Deutschland, und für die BIMA, die Bundesimmobilienverwaltung, hat der Erhalt des Clubs »keine solche Bedeutung wie für die Elvis-Fans«, drückt sich Keller diplomatisch aus. Vielleicht ist Rettung in Sicht. Die bundesweit organisierte Elvis-Presley-Gesellschaft mit rund 2000 Mitgliedern sucht in ihren Reihen Handwerker, die das marode Dach reparieren.
Gesucht: authentischer Elvis-Ort
Aber es müssen auch Spenden gesammelt werden, um das Objekt vielleicht doch noch zu erwerben und zum dauerhaften Elvis-Ort zu machen. Keller kann den Wunsch der Fans nach einem authentischen Elvis-Ort verstehen, aber es ist das gleiche wie in Bad Nauheim: Der Stadt fehlt das Geld. Sollte ein Kauf dennoch gelingen, darf der Fokus bei Veranstaltungen laut Keller nicht alleine auf Elvis gerichtet sein. Auch andere berühmte US-Musiker wie Terence Trent D’Arby haben in der Kaserne gedient; Veranstaltungen im Capri Club sollten daher stets die Bedeutung von Rock- und Popmusik reflektieren und den »Schockwellen« nachspüren, welche diese Musik bei den Hörern, aber auch bei den Erwachsenen auslösten, meint Keller.