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Die »öffentliche Kneipe« Marktplatz sorgt für Ärger

Artikel vom 25.08.2010 - 16.20 Uhr

Die »öffentliche Kneipe« Marktplatz sorgt für Ärger

Bad Nauheim (jw). Eine Sommernacht auf dem Marktplatz, es ist warm, es ist laut, es wird kräftig gebechert, und irgendwann drückt die Blase. Ein paar Jugendliche biegen um die Ecke, suchen eine Hauswand, ein Hoftor oder einen Busch auf und erleichtern sich. Eine Szene, welche die Anwohner der Wilhelmstraße regelmäßig erleben und die ihnen im wahrsten Sinne des Wortes »stinkt«.
Die Wilhelmstraße mit ihren urigen Fachwerkhäuschen ist die schönste aller Altstadtgassen. Besucher des Marktplatztes allerdings
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Die Wilhelmstraße mit ihren urigen Fachwerkhäuschen ist die schönste aller Altstadtgassen. Besucher des Marktplatztes allerdings sorgen immer wieder für Ärger bei den Bewohnern. In angetrunkenem Zustand machen sie die Nacht zum Tag und urinieren gegen die Häuser. (Foto: Wagner)
Das Fass zum Überlaufen brachte die Bemerkung eines Marktplatz-Gastronomen, der nach dem letzten Marktplatzfest gegenüber der Presse geäußert hatte, Beschwerden von Anwohnern habe es nicht gegeben. »Die gibt es sehr wohl«, sagt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Wie ihre Nachbarn hat sie Angst. Jugendliche, die beim Pinkeln an ein Hoftor von einem Mann erwischt wurden, hätte diesem gedroht. Sogar Drogen würden hier verkauft. Die Anwohner sind sauer, sie fühlen sich von der Stadt und insbesondere von der Polizei im Stich gelassen.

Der Marktplatz ist bei schönem Wetter ein beliebter Treffpunkt. Hier steigen nicht nur die Marktplatzfeste mit Livebands, hier wird auch bei der Fußball-WM gefeiert, und selbst wenn es nichts zu feiern gibt, werden die Bewohner der umliegenden Häuser nicht selten noch um 3 Uhr nachts oder sogar später aus dem Schlaf gerissen. »Horden von Besoffenen pinkeln an unsere Häuser, es stinkt wie auf einer öffentlichen Toilette«, sagte die Anwohnerin. Die Wege der abendlichen Zecher lassen sich sogar verfolgen: Tags drauf zieren braun-gelbliche Flecken die Gehwege, was nicht rausgepinkelt wird, findet einen anderen Weg, den Körper zu verlassen.

Die Bierflaschen würden einfach auf der Straße entsorgt, und wenn’s mal Ärger mit den Hausbewohnern gebe, würde schon mal ein Hoftor eingetreten. Das sei nachts gegen 3 Uhr nach einer WM-Party passiert, erzählt eine Nachbarin. Ein Anwohner sprach die Jugendlichen an, die gegen sein Haus pinkelten, woraufhin die ihm gedroht hätten, sie kämen wieder, sie kennten ja nun sein Gesicht und wüssten, wo er wohne. Dann hätten sie zwei Bretter des Hoftors eingetreten. Andere Nachbarn müssen ihre Tore öfter mal streichen, das Urin ätzt die Farbe weg. »Der Krach hat massiv zugenommen, permanent werden wir in unserer Nachtruhe gestört«, sagt eine Anwohnerin. »Früher ging das höchstens bis 23 Uhr, jetzt wird einfach weitergetrunke, manchmal bis 6 Uhr morgens.« Der Marktplatz sei eine einzige riesige Open-Air-Kneipe, an die Nachtruhe halte sich niemand. »Wir haben schon gewusst, wohin wir ziehen, gegen Musikveranstaltungen haben wir auch nichts. Aber irgendwann muss doch mal Ruhe sein.« Eine andere Anwohnerin erzählt, sie habe mehrfach Jugendliche dabei beobachtet, wie sie mitten auf der Straße, im Schutz der dunklen Gasse, kleine Päckchen und Geld getauscht hätten. »Die verkaufen hier Drogen, das sind ganz junge Leute.«

Viele Gastwirte achteten nicht darauf, ob Türen und Fenster nach 23 Uhr geschlossen sind. In einem stark frequentierten Lokal gibt es keine Toilette für die Gäste. »Die jungen Männer kaufen da ihr Bier, dürfen dort nicht aufs Klo und erleichtern sich dann bei uns am Haus.« Steht ein Marktplatzfest ins Haus, ergreifen manche Nachbarn die Flucht: Dann geht’s in den Kurzurlaub oder auf den Campingplatz.

Was tun, wenn man nicht schlafen kann, weil Betrunkene die Nacht zum Tage machen? Die Polizei rufen. Doch damit haben die Anwohner keine guten Erfahrungen gemacht. »Die Polizei reagiert nicht«, sagt eine Frau. »Die vertrösten einen nur. Einmal meinte ein Beamter, das sei nunmal der Markplatz. Als ob dort keine Gesetze gelten.« »Ich ruf’ da schon gar nicht mehr an«, sagt die Nachbarin, »das bringt eh nichts. Die trauen sich nicht raus aus ihrem Polizeiposten.«



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Artikel vom 25.08.2010 - 16.20 Uhr
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