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Bangkok-Vortrag von Roger Willemsen

Artikel vom 05.03.2010 - 18.35 Uhr

Bangkok-Vortrag von Roger Willemsen

Bad Nauheim (buc). Dieses Bild will so schnell nicht wieder aus dem Gedächtnis verschwinden. Das innere Auge sieht es immer wieder: Den erschöpften, scheinbar kraftlosen schlafenden Elefanten unter einer tonnenschweren Autobahnbrücke inmitten der lärmenden Metropole Bangkok. Die unerbittliche Geräuschkulisse ist nicht zu hören, denn es handelt sich um einen Diavortrag, der allein mit gesprochenen Texten untermalt wird. Dieser Sprecher ist Roger Willemsen.
Roger Willemsen beim Signieren.	(Fotos: buc)
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Roger Willemsen beim Signieren. (Fotos: buc)
»Ein wahres Glanzlicht«, wie Veranstalter Hermann Römer von der Buchhandlung am Park in seinen einführenden Worten ankündigte. Der Autor, Publizist und Fernsehmoderator präsentierte im Dolce-Theater »Bangkok Noir - ein Multimedia-Abend«. 

Mehrere Wochen lang durchstreiften Willemsen und der Fotograf Ralf Tooten die nächtliche Großstadt in Thailand. Aus ihren Erlebnissen und Eindrücken entstand ein Fotobuch, das 2009 veröffentlicht und zum Bestseller wurde. Die Bühnenpräsentation solle ein Mittelweg zwischen beiden Medien darstellen, betonte Willemsen eingangs: »Wir haben nicht versucht, Texte zu bebildern oder Bilder zu betexten.«

»Bangkok Noir« ist ein Zufallsprodukt, wie Willemsen verriet. »Die Exkursion begann mit einem Fahrradunfall an der Hamburger Alster«, berichtet er. Der Fahrradfahrer war Tooten, der Fußgänger Willemsen. Nach dem Zusammenprall folgte kein Wundenlecken, sondern ein Gespräch, ein Telefonat und schließlich ein gemeinsames Projekt. Erst als er in Bangkok eingetroffen sei, habe er begriffen, dass es wahrscheinlich keine andere Stadt gebe, die so viele Lustversprechen biete. Augenzwinkernd fügte Willemsen hinzu: »Diese Stadt würde auch die saturierten Bürger von Bad Nauheim an ihre Grenzen bringen.« Erlebt habe er eine »hochgesellige Stadt«, die sich von der Philosophie leiten ließe, das Wohlbefinden der Gemeinschaft immer weiter zu steigern. »Wir in Deutschland dagegen leben im Wettbewerb«, bedauerte er.

Während Willemsen in seiner ihm typischen schnellen Sprechweise das Publikum für seinen Vortrag vorbereitete, änderte sich dies schlagartig, als die ersten Bilder auf die Leinwand projiziert wurden und er getragen und eindringlich las. Es begann etwas langatmig und sehr poetisch mit wenig Spannung, wenngleich die Bilder der Skyline von Bangkok beeindruckend sind. Dieser Einstieg mit visuell und philosophisch Anspruchsvollem und kaum Unterhaltungs- und Showeffekten ist mutig, aber nicht verkehrt. Wahrscheinlich könnte man Bilder und Texte bei nochmaligem Erleben sogar noch mehr genießen. Eben dies spricht besonders für die Qualität und die gelungene Kombination beider Medien.

Blick in glanzlose Mietblocks

Je weiter sich Tootens Bilder von der Oberfläche entfernen und Fotograf und Autor in das für uns Westeuropäer bizarr erscheinende Alltagsleben der Thailänder eintauchen, je mehr Willemsen ins Erzählen kommt, desto fesselnder wird es. Willemsens Reportage über ihren Besuch in einer Schule für Thaiboxen hält in Atem. Eine sechsjährige Thai-Boxerin kämpft erst voller innerer Wut gegen den Trainer an, der sie zu noch kräftigeren Tritten und Boxhieben anspornt. Das kleine schwarzhaarige Mädchen mit den feinen Gesichtszügen trainiert sogar nach dem offiziellen Training weiter, indem es einen Boxsack unermüdlich bearbeitet.



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Artikel vom 05.03.2010 - 18.35 Uhr
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