Bad Nauheim (bk). Im Bahnhof hat sich einiges getan, das Sorgenkind bleiben die Gewerbeflächen in der Halle und im Anbau, in dem früher die Gastronomie beheimatet war. Das vom Käufer der denkmalgeschützten Immobilie, der Hamburger Procom Invest GmbH & Co KG und seiner Tochter Erste Portal Real in der Vergangenheit mehrfach verkündete Ziel, die Räumlichkeiten vor Beginn der Landesgartenschau umfassend zu sanieren, wird sich nicht mehr realisieren lassen.
In diesem Raum könnte die Bahnhofsgaststätte entstehen – sollte sich eines Tages ein geeigneter Interessent finden. (Fotos: nic)
Das erklärte Procom-Geschäftsführer Dennis Barth am späten Donnerstagnachmittag bei einem Gespräch mit der Magistratsspitze, den zuständigen Verwaltungsmitarbeitern und Stadtverordneten im Bahnhof. »Wir stecken Monat für Monat Geld in das Gebäude und haben fast keine Einnahmen. Händeringend gesucht werden ein Wirt oder andere Interessenten, die einziehen wollen«, sagte Barth, dessen Firma die Immobilie 2006 von der Bahn AG erworben hatte.
Die Bahn investiert 3 Millionen Euro in die Bahnsteige und Gleisanlagen, die Stadt hat für teures Geld den Vorplatz neu gestalten lassen und ist derzeit daran, die Fußgängerunterführung zu sanieren, der Käufer hat die Fassade instand setzen lassen und die sechs Mietwohnungen renoviert – Kostenpunkt laut Barth 750 000 Euro. Untätig waren die Beteiligten in der Vergangenheit also keineswegs, doch für viele Bahnkunden und Bürger der Stadt prägt das Erscheinungsbild der Bahnhofshalle den Gesamteindruck. Und dort hat sich nicht viel getan, wie Barth und Projektleiter Michael Bleiziffer (Erste Portal Real) einräumten.
Der Geschäftsführer nannte dafür zwei Hauptgründe: Zum einen gebe es keine geeigneten Bewerber für die Gewerbeflächen, zum anderen sei die Zusammenarbeit mit der Bahn mehr als schwierig. »Die Bahnhofshalle und der Anbau sind zwar Privateigentum, wir dürfen damit aber nicht umgehen wie mit Privatbesitz. Für alles ist eine Zustimmung des Eisenbahnbundesamtes erforderlich«, sagte Barth. Nicht einmal den kleinen Blumenladen, der als Mieter ebenso gehalten werden soll wie die Buchhandlung, habe man an eine andere Stelle im Gebäude verlegen dürfen. Und die Genehmigungsverfahren dauerten sechs bis neun Monate. Barth: »Auch die Bahn selbst hat für ihre Schalter- und Sozialräume bislang keinen von beiden Seiten unterschriebenen Mietvertrag.«
Das Hamburger Unternehmen habe das Gebäude in einem desolaten Zustand übernommen. Die Bahn habe »null investiert«. In den Wohnungen sei das Wasser an den Wänden heruntergelaufen. »Die Mieter haben dort unter menschenunwürdigen Bedingungen gelebt«, betonte Barth. Inzwischen seien alle sechs Wohnungen saniert und – mit einer Ausnahme - wieder vergeben. Allerdings verlange das Unternehmen nur eine »symbolische Miete«, die üblichen Marktpreise seien nicht durchzusetzen. Außerdem gibt es noch Büroräume, die allerdings noch einer Instandsetzung und Vermietung harren.
In der ehemaligen Gaststätte, die nach Auskunft von Manfred Gründer (Fachbereich Stadtentwicklung) etwa bis Mitte der 90er Jahre betrieben wurde, habe sich der Müll gehäuft. In den Innenhöfen sei Moos gewachsen, die Feuchtigkeit habe zu einer Gefährdung des Gebäudebestands geführt. Wie Bleiziffer im Gespräch mit der WZ sagte, stehe der große Raum rechts vom Blumenladen noch heute teilweise unter Wasser, wenn es stark regnet. »Eine Sanierung ist dort nur unter größten Problemen möglich«, erklärte der Projektleiter. Fraglich sei die Zuständigkeit, denn die Feuchtigkeit dringe von oben ein, wo die Gleise der Bahn liegen. Wolle man den Raum »wasserdicht« machen, müssten zuvor die Gleisanlagen an dieser Stelle abgebaut werden. Somit komme nur in Teil dieser Gewerbefläche für eine Nutzung infrage. Bleiziffer könnte sich vorstellen, dass der Blumenhändler dorthin umzieht, wobei ein Durchbruch zur Halle geschaffen werden müsste. Platz für weitere ein oder zwei Geschäfte sei vorhanden.