Altenstadt-Lindheim (arc). Bereits zum fünften Mal hatte die Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur zu einem Konzert im Garten der Familie Demandt eingeladen. Das Sextett der Oper Frankfurt - Dimiter Ivanov und Bettina Oeterlee (Violine), Ludwig und Hiltrud Hampe (Viola) sowie Johannes Oesterlee und Philipp Bosbach (Violoncello) - spielte am Fuße des Hexenturmes die Streichsextette in B-Dur Opus 18 und in G-Dur Opus 36 von Johannes Brahms.
Das Sextett der Oper Frankfurt vor dem Hexenturm im Garten der Familie Demandt. (Foto: arc)
Die Vögel in den Bäumen verstummten nicht. Im Gegenteil: Sie stimmten laut in Brahms Musik ein und sangen besonders mit den Violinen um die Wette. Viele der Zuhörer wunderten sich, wie natürlich sich der Vogelgesang in die romantischen Melodien des Streichquartetts einfügte. An leisen Passagen oder den Pausen zwischen den Sätzen machte der leise rauschende Seemenbach das diesjährige »Notturno am Hexenturm« perfekt. Dieser Meinung waren auch Zuhörer, die schon zur Pause des Konzertes kurz und knapp bemerkten: »Ein perfekter Abend«.
Mit »Allegro, ma non troppo« schlich sich das Ensemble in das Vogelgezwitscher aus den Baumwipfeln hinein. Ruhig, aber mit viel Energie führte das Eröffnungsstück die zahlreichen Gäste in den romantischen Abend ein. Als sei es das Einfachste der Welt, entlockten die sechs Musiker ihren Instrumente die schönsten Melodien und Harmonien. Nur wer selbst Erfahrungen mit einem Instrument gemacht hat, kann erahnen, wie viel Übung, Disziplin und Routine nötig ist, Musik so leicht erklingen zu lassen. Trotz aller Routine war dem Sextett die Freude am Musizieren in Mimik und Gestik anzusehen und vor allem auch zu hören. Selbst »schlicht« ausgehaltene lange Töne in den Begleitstimmen strotzten vor gezügelter Energie.
So schien das Ensemble zu Beginn des Satzes »Andante, ma moderato« stolz zwischen den alten Bäumen umher zu schreiten. Violinen und Bratschen wechselten sich im selbstbewussten, leichten Spiel ab, während die Celli für den federnden Schritt sorgten. In der Atmosphäre des Parkes erinnerte das Scherzo dagegen an ausgelassen im Wald spielende Kinder. Wogend näherte sich das Rondo mit kleinen Frage- und Antwortspielen dem temperamentvollen Ende des ersten Teils.
Nach einer kurzen Pause, in der die Lindheimer Hexen für das leibliche Wohl der Gäste sorgten, setzte das Frankfurter Sextett das Konzert mit einem verhaltend beginnenden »Allegro non troppo« fort. Wehmütig ruhig, aber mit gelegentlichen Gefühlsausbrüchen kam der Satz »Scherzo, Allegro non troppo« daher. Die Bratschen erinnerten hierbei manchmal an den Klang leiser Oboen, bis das Stück in einem kurzen aber plötzlichen Husarenritt endete. Den Satz »Pocco Adagio« begannen die Violinen mit einer leidenschaftlichen Melodie, die Bratschen folgten, und schließlich riefen die Celli zum Aufbruch. Am Schluss versiegte das Stück fast lautlos zwischen den Bäumen. Im letzten Satz »Pocco Allegro« fügten sich die warmen, lebhaften Klänge in den lauen Sommerabend. Im Wechsel mit sanglichen ruhigen Stellen blitzten immer wieder dramatische Klänge auf. Mit lang anhaltendem Applaus bedankten sich die Gäste bei den Musikern, die ihnen mit ihrer Gabe einen schönen Abend beschert hatten.