Nach 65 Jahren letzter Orgeldienst in Allendorf/Lumda
Allendorf/Lumda (khi). Seinen letzten Orgeldienst versah der 80jährige Hermann Römer am Ewigkeitssonntag nach 65 Jahren in der Kirche der Zionsgemeinde Allendorf/Lumd
Hermann Römer beim Orgelspiel in Allendorf/Lumda. (Foto: khi)
its im Jahre 1946 hatte er ebenfalls am Ewigkeitssonntag das erste Mal den Gemeindegesang begleitet, allerdings auf dem Vorgängerinstrument, der heutigen Orgel in der alten Kirche.
Dies tat er auf eigenen Wunsch, nachdem er sich als Autodidakt das Spiel zunächst auf dem heimischen Harmonium und dann auf der Kirchenorgel beigebracht hatte. Im Gemeindebrief 2006 hieß es zu seinem 60jährigen Orgeljubiläum: »Erinnern sich die älteren Gemeindeglieder noch an einen 15jährigen Jungen, der mit Fleiß Orgelspielen gelernt hatte? Er spielte am Ewigkeitssonntag 1946 das erste Mal im Gottesdienst.«
Die »große Orgelliteratur« war nicht in erster Linie seine Stärke, aber dafür war er ein Meister der Improvisation. Meist genügte ihm das Gesangbuch, um aus der Melodie ein ausgefeiltes Vorspiel und einen klangvollen Choralsatz zu machen. Nicht nur die Zionskirche war sein Wirkungsfeld, auch im Predigtort Gießen-Kleinlinden und in der Bethlehemsgemeinde Grünberg versah er seinen Dienst im Wechsel mit den anderen Organisten des Pfarrbezirks.
Über die Grenze seiner Kirche hinaus war er auch immer gern bereit, in den Friedhofskapellen der Umgebung und in umliegenden Gemeinden der evangelischen Landeskirche bis hin zur Petruskirche in Gießen auszuhelfen, wenn er gerufen wurde. Sogar im Urlaub spielte er an seinen Urlaubsorten, wenn dort bekannt wurde, dass er Organist war. So waren es im Laufe seines Organistenlebens nach seiner eigenen Einschätzung nahezu 70 Gemeinden, in denen er ein- oder mehrmals auf der Orgel musizierte. Über allem Dienst stand für ihn immer das Bibelwort aus Psalm 147: »Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding, ihn loben ist lieblich und schön.«