Die Rahmenbedingungen für die Aufforstung sind alles andere als günstig, berichtet der Forstbeamte. Ein großes Problem für nachwachsende Bäume stellen die Wildbestände dar, vor allem die vermeintlich »süßesten« Waldbewohner: Rehe, von denen die Spitzenknospen junger Baumtriebe abgeknabbert und somit enorme Schäden im Wald verursacht werden. »Rehwild verbeißt selektiv. Diese Tiere sind Feinschmecker und bevorzugen seltene Baumarten«, so Krautzberger. Dadurch komme es zu einer »Entmischung des jungen Waldes«. Außerdem beklagt der Forstbeamte die »Fegeschäden«, die daher rühren, dass Rehe ihr Gehörn an Bäumen reiben, die sich dann schlecht oder gar nicht mehr entwickeln. Krautzberger nimmt die Jagdpächter in die Pflicht. Es sei Bestandteil der Jagdgesetze, die Wildbestände so zu hegen und zu regeln, dass die bevorzugten Hauptbaumarten nachwachsen können. Im Allendorfer Revier könne von angepassten Wildbeständen aber kaum die Rede sein.
Der Förster weiter: »Die Schäden durch das Rehwild im Wald sind größer als die Schäden durch Wildschweine im Feld«, nicht zuletzt wegen konsequenterer Bejagung. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen kommen die jeweiligen Jagdpächter in der Regel für Wildschäden auf, erklärt Krautzberger. Im Gegensatz dazu sei für Schäden im Wald nur eine »lächerliche Wildschadensverhütungspauschale« zu entrichten. Die Jäger wissen laut Krautzberger genau, worum es geht. Die Jagdpächter des Stadtwaldes seien vom Forstamt mehrmals eingeladen und informiert worden. Als Förster sei sein Einfluss gering, sagt Krautzberger und appelliert eindringlich an die Jagdpächter. Man könne »die Bestände sehr wohl regulieren. Das klappt. Man muss es nur tun.«
Ein weiteres Problem bei der Wiederaufforstung sind nach Darstellung des Forstbeamten beispielsweise Mäuse, die bevorzugt junge Laubbäume am Stamm abfressen, und Rüsselkäfer. Um unkontrollierten Wuchs zu verhindern, ist das Freimähen von Flächen »teilweise nötig, betont Krautzberger. Zudem werden ausgewählte Pflanzen mit Schutzzäunen versehen, um sie vor Wildschäden zu bewahren. Die Bepflanzung kann nicht maschinell vorgenommen werden, sondern erfordert qualifiziertes Personal.
Seit Krautzberger 1991 als Revierförster den städtischen Wald übernommen hat, konnte der jährlich von den Stadtverordneten zu beschließende Waldwirtschaftsplan nur viermal so wie geplant umgesetzt werden: »Die Katastrophe ist der Normalzustand.« Besonders über die Intensität und die Folgen des Klimawandels werde vielfach diskutiert, doch die verheerenden Auswirkungen von unvorhersehbaren Unwettern auf heimische Wälder seien nicht zu leugnen. Krautzbergers Fazit: »Die Sturmstärken und die Schäden haben massiv zugenommen.«
Etwa im Hinblick auf Fremdleistungen von Unternehmen ist der vor wenigen Monaten beschlossene Waldwirtschaftsplan 2010 längst überholt. Krautzberger schätzt, dass sich die Kosten dafür statt der geplanten 80 000 auf deutlich über 100 000 Euro belaufen werden. Die größten Posten machen der Einsatz von Holzerntemaschinen, größtenteils von Baumschulen ausgeführte Wiederbepflanzungen und die Kosten für das Verrücken umgefallener Bäume aus.