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08.12.2010 - 18.51 Uhr
Allendorf: Wissen um Mord lange geheim gehalten
Gießen/Allendorf/Lumda (kan). Vor etwa drei Jahren, in einer Nacht in der Weihnachtszeit, habe ihre Tochter gestanden, dass ihr Mann und ein Freund »die Kathrin platt gemacht haben«.
Davon berichtete eine Zeugin am Mittwoch im Prozess um den Mord an der Allendorferin Katharine Münch vor gut 14 Jahren. »Ich habe das jahrelang mit mir herum getragen. Jedes Mal, wenn ich am Haus der Frau vorbeigegangen bin, ist es mir fast schlecht geworden.« Die Tochter selbst wollte vor der Fünften Strafkammer des Gießener Landgerichts dazu keine Stellung nehmen.
Gefunden wurde das 68-jährige Opfer damals von einer Nachbarin - der Großmutter von eben jener Tochter. Ein weiterer Anwohner, der inzwischen verstorben ist, öffnete die Küchentür. »Und da lag sie in ihrem Blut. Das war ein schrecklicher Anblick«, erinnerte sich die Zeugin. Ein Kriminalpolizist sagte am Mittwoch, die 68-Jährige sei mit einem Telefonkabel gefesselt worden, ihr Mund war mit Klebeband verschlossen.
Die 74-Jährige, die den grausigen Fund gemacht hatte, wohnte um die Ecke, half der Rentnerin gelegentlich beim Putzen. Und die 68-Jährige ging bei ihr und ihrem Mann ein und aus. »Sie war jeden Tag bei uns.« Am Abend vor ihrem Tod sei sie sehr unruhig gewesen und schon früher als gewöhnlich nach Hause gegangen. Sie habe angedeutet, irgendetwas erzählen zu wollen, »aber heute nicht«. Am nächsten Morgen sei ihrem Mann aufgefallen, dass die Zeitung noch vor der Tür lag, die Rollläden waren noch nicht hochgezogen. Sie hätten gleich geahnt, dass da etwas nicht stimmt, berichtete die Nachbarin. Die Hintertür, die nie verschlossen war, stand sperrangelweit auf. Bevor sie das Haus durchsuchte, holte sie Hilfe. »Ich hatte Angst.«
Angeklagt sind jetzt ein 39-Jähriger aus Lollar und ein 38-Jähriger, der zur Tatzeit in Odenhausen lebte. Dem Älteren wird der Mord vergeworfen, seinem Kumpan, der als Ideengeber gilt, Raub. Das Verfahren kam so viele Jahre nach dem Verbrechen durch die ehemalige Schwiegermutter des Jüngeren ins Rollen. Sie habe in den letzten Jahren unter dem Wissen gelitten, das ihr ihre Tochter anvertraut hatte. »Aber wir haben unwahrscheinlich Angst gehabt.« Der 38-Jährige habe sie bedroht und ihre Tochter gewürgt. Dass die heute 34-Jährige beim Überfall mit von der Partie war, konnte sich die Mutter nicht vorstellen. Das aber hatte einer der Angeklagten erzählt. Deshalb wird gegen sie auch wegen Beihilfe vor einer Jugendkammer verhandelt.
Die Kammer fragt sich, wieso ausgerechnet die Rentnerin, die eben auch eine Bekannte der Familie war, Opfer des Verbrechens wurde. Es hieß, sie habe in bescheidenen Verhältnissen gelebt. »Das war eine ganz arme Frau, die nichts hatte«, beschrieb die Nachbarin. Doch es kursierten Gerüchte, dass sie Bargeld im Haus verstecke. Darauf hatten es die Täter wohl abgesehen, denn sämtliche Schränke waren durchwühlt. Letztendlich haben sie nach eigenen Angaben jedoch nur 70 Mark gefunden. Dass die 68-Jährige in der Küche schlief, damit hatten sie wohl nicht gerechnet. Es sei nicht die Absicht gewesen, sie zu töten, hatte der Hauptangeklagte gesagt. Die schreiende Frau sollte nur ruhig gestellt werden. Von ihrem Tod hätten sie erst am Tag nach dem Überfall erfahren.
Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.