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Plauderei unter Freunden: »True Dylan« im TiL

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Artikel vom 27.10.2013 - 18.27 Uhr

Plauderei unter Freunden: »True Dylan« im TiL

Christian Lugerth inszeniert das Stück von Sam Shepard mit viel Gefühl für Musik. Doch das Werk kratzt nur an der Oberfläche des Pop-Idols.

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Lassen den alten Sound aufleben: Bob (Vinzenz Türpe mit Gitarre) und Sam (Ives Pancera mit Cowboyhut). (Foto: Katrina Friese)
Dieses Stück ist nur etwas für Kenner, denn wer noch nie von Woody Guthrie oder Hank Williams gehört hat, gerät schnell ins Hintertreffen bei dieser Rückschau auf Musikeridole der USA aus längst vergangenen Tagen. In »True Dylan« hat der Dramatiker und Schauspieler Sam Shepard 1987 seine Begegnung mit Bob Dylan verarbeitet, mit dem er Mitte der 1970er Jahre sogar auf Tour ging (Shepard spielt Schlagzeug). Ein zwangloses Interview unter Freuden, bei dem viel geraucht und auch Bier getrunken wird.

Das Beste an dieser Stadttheater-Produktion im TiL ist das Bühnenbild von Thomas Döll: eine abgewrackte Tankstelle irgendwo im Niemandsland, in dem es sehr heiß sein muss an diesem Tag des lockeren Treffens. Schwingtüren, alte Schilder und ein Klavier lassen erahnen, dass dieser Ort schon bessere Tage gesehen hat.

Fernab der Zivilisation plaudern Bob und Sam, zwei junge Kerle, über Vorbilder wie James Dean, über Jugenderinnerungen und ihre gemeinsame Leidenschaft für Musik. »Ich hätte gerne Bob Marley getroffen«, sagt Dylan einmal, der in seiner Jugend nicht vor dem weiten Weg zurückscheute, um den sterbenskranken Woody Guthrie im Krankenhaus zu besuchen.

Regisseur Christian Lugerth, der gern schon mal selbst zur Klampfe greift, hat das nötige Gefühl für Country, Gospel und Blues im Blut, weiß immer den passenden Moment, um die Songs kurz vom Band anreißen oder die beiden Jungs selber singen zu lassen. Denn Vincenz Türpe und Ives Pancera (als Gast) greifen mehrmals zur Gitarre, um den Sound jener Jahre noch einmal aufleben zu lassen. Und – auch dies eine originelle Idee der Regie – sie tauschen die Rollen: mal ist der eine Bob (mit Sonnenbrille) und der andere Sam (mit Cowboyhut) oder umgekehrt. Die Übergänge verlaufen fließend und beide treffen den angemessenen Ton.

Dem »wahren Dylan« wird hier jedoch nicht auf den Grund gegangen. Dazu plätschert das ganze Stück viel zu sehr an der Oberfläche, kratzt höchstens mal hier oder da an Dylans Ego, der sich zu gern hinter seinen eitlen Verkleidungen versteckt. Für den Zuschauer bleibt es bei der Premiere am Samstag ein harmlos unterhaltsamer Abend von sechzig Minuten Länge, der – egal ob Bob-Dylan-Fan oder nicht – keine nachhaltigen Erkenntnisse bringt.

Marion Schwarzmann

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Artikel vom 27.10.2013 - 18.27 Uhr
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