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Peter Probst liest im KiZ aus »Im Namen des Kreuzes«

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Artikel vom 10.10.2012 - 15.17 Uhr

Peter Probst liest im KiZ aus »Im Namen des Kreuzes«

Im dritten Fall des Münchner Privatermittlers Anton Schwarz untersucht Grimme-Preisträger Peter Probst sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche.

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Peter Probst (Foto: jou)
Wie er bei seiner Lesung im Literarischen Zentrum äußerte, habe er seinen Krimi »Im Namen des Kreuzes« aus dem Gefühl einer unguten Atmosphäre in der Kirche geschrieben, in der es bis vor wenigen Jahren Strafvereitelung gegeben habe. Probst versuchte dem schwierigen Thema gerecht zu werden, indem er mit Betroffenen und kirchlichen Mitarbeitern sprach.

Sein besonderes Interesse dafür ist auch darauf zurückzuführen, dass er selbst in einer katholischen Familie aufgewachsen ist und im Nebenfach Theologie studierte. Genaue Kenntnis des Milieus merkte man schon dem Beginn des Romans an: Der 14-jährige Straftäter Patrick soll im katholischen »Haus der Gnade« die Chance zur Resozialisierung bekommen. Anschaulich beschreibt Probst, wie ein Geistlicher dem Jugendlichen den Glauben nahebringen will, ihn auffordert zum Gebet niederzuknien. Patrick reagiert mit Widerwillen, sieht die Maßnahme eher als lästige Pflicht. Daraufhin rückt Ermittler Schwarz in den Fokus. Der untersucht den Fall des Theologiestudenten Matthias Sass, der vor den Zug gesprungen ist. Dessen Mutter erscheint Schwarz bei einem Treffen nervös und aufgekratzt. Sie hat den Verdacht, dass ihr Sohn von einem Pfarrer misshandelt wurde und keinen Ausweg aus der Krise mehr gesehen hat.

Die ausgewählten Passagen steckten voller Spannung, zudem las Probst mit großer Hingabe, schlüpfte einfühlsam in die verschiedenen Rollen und vermochte das Publikum stark zu fesseln. Hinter der Erzählweise schien zuweilen ein abgeklärter Blick auf das Geschehen durchzuschimmern.

Wenig später wird ein Pfarrer erhängt aufgefunden – just jener Mann, den Matthias’ Mutter beschuldigt. Schwarz, ein nüchterner, areligiöser Typ, betrachtet die Dinge mit Skepsis, zweifelt etwa, ob sich der Pfarrer überhaupt umgebracht hat und gerät in Konflikt mit der Polizei.

Raffiniert verwebt Probst den Fall mit Patricks Geschichte. In dem Krimi manifestiert sich Kritik am patriarchalischen Obrigkeitsdenken in der katholischen Kirche, der Scheinheiligkeit mancher Geistlicher. Wie Probst anmerkte, habe er bei seinen Lesungen gelegentlich eine Retraumatisierung von Hörern erlebt, die selbst missbraucht wurden. Dies mag verdeutlichen, wie eindringlich sein Schreibstil ist. Aus einer psychologisch geschulten Perspektive widmet er sich bewusst einer brisanten gesellschaftlichen Problematik – ohne Scheu vor kontroversen Diskussionen. Realistisch schien seine abschließende Einschätzung, dass geschlossene hierarchische Systeme wie Klöster und Internate anfälliger sind für derartige Vorkommnisse. jou

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Artikel vom 10.10.2012 - 15.17 Uhr
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