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Athleten-Partys

Artikel vom 11.08.2012 - 08.00 Uhr

Athleten-Partys

Am Donnerstag war im Deutschen Haus Athletenabend. Nicht Politikerabend, nicht Sponsorenabend, nicht Journalistenabend und vor allen Dingen nicht Fotografenabend. Sportlerabend. Das hat Tradition.

Wir Schreiberlinge und die Knipser mussten das »Museum of London Docklands« um 18 Uhr verlassen, alle anderen Unsportlichen um 21 Uhr. Warum? Das hat Gold-Kanute Kurt Kuschela am Eingang ziemlich gut auf den Punkt gebracht. »Wir haben drei Monate auf Party und Alkohol verzichtet. Jetzt wollen wir alles nachholen, was wir verpasst haben, und das ist enorm viel.« Türen zu. Fensterläden runter. Zapfhahn auf. Feuer frei! Diskuswerfer Robert Harting soll seine Akkreditierung diesmal nicht aus der Hand gegeben haben. Bei dieser Feier wäre ich gern Mäuschen gewesen. Doch die Bundespolizei hatte den Laden wie immer gut abgeriegelt.

Ich habe trotzdem lange überlegt, ob ich versuchen soll, mich irgendwie hineinzuschleichen. Zu späterer Stunde wäre ich an der Bar wahrscheinlich gar nicht aufgefallen, immerhin wurde ich dort schon zweimal für einen Athleten gehalten. Im Deutschen Haus. Nicht an der Bar. Einmal war ein Engländer derart davon überzeugt, dass ich ein – Achtung, schmeichelhafter O-Ton – »Olympic Hero« sein müsse, dass er mich pausenlos fotografierte. Zuerst war ich sauer. Hero klang für mich irgendwie nach gestern. Der Engländer geriet nun sogar mit seiner Frau in Streit. Er glaubte ziemlich lange, dass ich Teil des Gold-Achters sei. Nur weil ich eine Akkreditierung um den Hals baumeln hatte, Turnschuhe und kurze Hose trug. So sind sie, die Engländer. Ein nettes Völkchen – in diesen Tagen. Zwei Tage später war die Verwechslung noch grotesker, denn diesmal trug ich keine Turnschuhe und keine kurze Hose, sondern Jeans und braune Schuhe. Dennoch begrüßte mich die Redakteurin einer TV-Talkshow sehr herzlich. Normalerweise sprechen die vom Fernsehen nicht mit mir. Dann sagte sie: »Schön, dass Sie schon da sind, Herr Grozer. Wollen wir in die Maske?« und packte mich am Arm. Ich konnte mich gerade noch retten. Ich bin nicht der Hammer-Schorsch.

Zur Strafe hätte man sie und den Engländer zum Athletenabend einladen sollen. Akkreditierungen auswendig lernen. Die Party ging übrigens lange. Einige deutsche Athleten habe ich morgens um vier vor einem Nachtclub gesehen. Was ich da um die Zeit mache? Mäuschen spielen. Beruflich. Heute muss ich ins Mahiki, denn da finden in der letzten Olympiawoche jeden Abend Athleten-Partys statt. Ja, London ist anstrengend. Im Nobel-Nachtclub Chinawhite gibt es gerade sogar olympische Drinks, mit Blattgold auf dem Champagner. Für 2012 Pfund pro Glas. See you later. (mac)

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Artikel vom 11.08.2012 - 08.00 Uhr
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